Steckt das Social Web voller Narzissten?

Steckt das Social Web voller Narzissten, die unter dem Syndrom des Ego-Googlens leiden, nervös die Anzahl ihrer Twitterfollower beobachten, oder die „Gefällt-mir“-Zahlen ihrer Facebook-Updates beobachten? Muss man künftig sogar den Namen seiner Kinder nach SEO-Gesichtspunkten wählen, um den Kindern bei ihrer späteren Karriere zu helfen besser in Suchmaschinen gefunden zu werden oder gegenteilig unsichtbarer im Netz sich verstecken zu können?


Reden ohne gefragt zu werden?
Der Vorwurf stünde im Raum, so Michael Reuter, dass Nutzer von sozialen Netzwerken und Blogs zum einer Übertreibung ihrer Selbstdarstellung neigen. Viel zu veröffentlichen bedeute nicht, auch viel gelesen zu werden, meint Michael Praetorius. Müsse man viele Fotos von sich, Status-updates oder Blogposts von sich im Netz veröffentlichen, um die eigene Reputation im Griff zu haben? Christoph Elzer sieht dies so. Wer gegen Personensuchmaschinen wie Yasni ankommen wollen, müsse Content regelrecht „rausscheissen“, so Christoph Elzer. Doch veröffentlichen wir mit damit nicht eine Vielzahl von Inhalten, ohne eigentlich etwas mitteilen zu können?


Social Networks sind ein Teil der Kommunikation
Dies sei genau wie das Ego-Googeln nicht schlimm, so Elzer und Reuter. Soziale Netzwerke seien ein weiterer Teil der Kommunikation, in denen es primär nicht um die Relevanz für die Allgemeinheit gehe. Zu der Vielzahl der neuen Narzissten käme auch eine Vielzahl neuer Rezipienten.  „Wie viel von dem was wir jeden Tag sprechen, ist relevant“, fragt Michael Reuter.


Mit dem Personenscanner gegen Small-Talk
Der Schutz der eigenen Privatsphäre und der Wunsch seine eigenen Reputation selbst unter Kontrolle zu haben stehen hier in direktem Zusammenhang.  Wer viel über sich bekannt gebe, könne zum Beispiel langweiligen Smalltalk auf Partys oder bei gesellschaftlichen Anlässen überspringen und mit neuen Kontakten gleich tiefer ins Gespräch einsteigen. Mit einer Augmented Reality App auf dem Handy könne man künftig mehr über die Personen im seinem Umfeld herausfinden und sich Informationen auf dem Display anzeigen lassen. Christoph Elzer sieht den persönlichen Personen-Scanner für Datenschützer für die Hosentasche problematisch. Letztendlich ist es aber eine individuelle Entscheidung, welche Informationen man über sich zum Schutz der Privatsphäre oder zum Aufbau der eigenen Reputation zurückhält oder bekannt gibt. Menschen, die nur geschäftliche Informationen freigeben und im Web kein Privatleben führen, können dabei auch unglaubwürdig wirken.


Von jedem gibt es peinliche Fotos
Jugendsünden der Yahoo-Generation seien mit Geocities verschwunden.  Die Generation Facebook sei es schwieriger die Entscheidung über öffentliches und privates zu Treffen. „Diese Generation pusht von Kindesbeinen alles raus ins Netz“, so Elzer. Das Privatleben im Web nach außen zu kehren sei aber auch kein Reputationsproblem mehr. Selbst googlende Personalentscheider hätten mittlerweile kapiert, dass Menschen auch ein Privatleben haben und peinliche Fotos von sich im Netz nichts Besonderes mehr seien. Etwas Narzissmus und Exhibitionismus im Web dürften also keinem schaden, so Christoph Elzer.


Suchmaschinen-optimierte Kindernamen
Ob man künftig den Kindernamen nach Gesichtspunkten der Suchmaschinenoptimierung wählen sollte? Wer seinem Sprössling in der Späteren Karriere bei der Namensuche zu einer Top-Position verhelfen will, müsse natürlich auch hier auf  Unique Content achten. Gegenteilig könnte ein Allerweltsname oder der Name einer bereits bekannten Personen auch ein gewisse Unsichtbarkeit im Netz ermöglichen.



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