Stalking in sozialen Netzwerken

Web 2.0, Social Media und insbesondere Soziale Netzwerke machen Aktivitäten und Bewegungen der Teilnehmer transparent. Geobasierte Anwendungen beispielsweise teilen der Öffentlichkeit mit, wo man sich gerade aufhält. Diese Informationen werden naturgemäß nicht nur von Freunden zur besseren Abstimmung der abendlichen Partyaktivitäten genutzt, sondern auch von Eltern und Lebenspartnern zur Kontrolle ihrer Lieben. (Die Nutzung von Sozial Networks durch Polizei und Geheimdiensten steht dann noch auf einem ganz anderen Blatt).

Bei Eltern scheint ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Kindern zu herrschen, wenn man ihre in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Lokalisten publizierten Aktivitäten überwacht, indem Fake-Accounts angelegt werden. KInder sollen es nicht mitbekommen, dass man sie überwacht. Möglicherweise wird über den Fake-Account sogar mitkommuniziert und dem eigenen Kind vorgespielt, man sei eine virtuelle Freundin. Durch Applikationen wie Google Latitude, Brightkite, Near-by-Suche usw. findet ein Wandel im Verhältnis von Privatsphäre und Öffentlichkeit statt: die Instrumente zur Kontrolle sind vorhanden und werden daher auch genutzt. Vorherige Grenzen wie die Schlafzimmer- oder Wohnungstür werden nun überschritten. Neben der (ungewollten) Kontrolle ermöglichen diese Tools aber auch neue häufigere und intensivere Kommunikationsmöglichkeiten. Man kann Menschen kennenlernen, die sich in der Umgebung befinden (Beispiel: im selben Zug). Möglicherweise lernen älter Generationen jüngere besser kennen, wenn sie deren Aktivitäten verfolgen. Zurück zu den Eltern und ihren Kindern: nicht das Instrument (Soziales Netzwerk) ist entscheidend, sondern das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Wenn dort Vertrauen herrscht, sollte auch Social Media nichts daran ändern. Ist allerdings Misstrauen vorhanden, liegt es nahe, Facebook und andere als Instrumente der Überwachung zu nutzen. 

Wichtig ist: Soziale Netzwerke sind Instrumente zur Kommunikation. Jeder, der diese Tools nutzt, muss sich im klaren sein, dass er kommuniziert. Alles, was kommuniziert wird, kann differenziert weitergegeben werden - beispielsweise nur an Freunde oder an die gesamte Öffentlichkeit. Hier muss sch der Nutzer im Klaren sein, wen er als "Freund" akzeptiert. Solange jeder Nutzer die freie Wahl hat, was er an wen publizieren möchte, sollte Social Media für niemanden ein Problem darstellen. Und. wir werden uns daran gewöhnen (müssen), dass zunehmend mehr Inhalte öffentlich publiziert werden, von denen wir heute denken, dass sie privat bleiben sollten. Dies führt zu einer Normalisierung: wir werden wie selbstverständlich die gestrigen Partybilder unserer Töchter als Diashow zum Frühstück ansehen.


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