Innovationskultur in Deutschland und den USA

Was brauchen Erfinder und Gründer? Welche Rahmenbedingungen sollten vorliegen, damit Innovationen entstehen? MP3 und StudiVZ, gut geforscht und schlecht geklont. Welche Innovationskultur zeichnet uns Deutsche im Jahr 2011 aus und was deutsche und amerikanische Erfinder und Gründer gegenseitig von einander lernen? 

In dieser Isarrunde diskutieren Michael Reuter, US-Generalkonsul Conrad Tribble und Michael Praetorius.

Warum bieten Kalifornien und insbesondere das Silicon Valley ein so fruchtbaren Boden für Innovationskultur? US-Generalkonsul Conrad Tribble greift in die Geschichte und betont sozio-kulturelle Elemente, die die Amerikaner insgesamt risikofreudig machten, ihnen den Drang zur Erforschung von Neuem mitgaben. Das südlich von Francisco gelegene Silikon Valley bietet neben gutem Klima die innovationsfördernde Mischung einer großen Anzahl von Hightech-Unternehmen, Geldgebern und Universitäten. 

Grundsätzlich gilt in den USA ein Gründer, der mit einem Unternehmen Schiffbruch erlitten hat, nicht als Versager: er hat miterlebt, wie eine Firma scheitert und weiss deshalb besser als Andere, welche Fehler zu vermeiden sind. Amerikanische Venture Capitalists sprechen in diesem Fall von Lehrgeld, das sie nicht mehr in ein Start-up investieren müssen, da es bereits ein anderer getan hat.

Michael Reuter sieht analog dazu in Deutschland einen Hang zur Risikovermeidung, der seinen Ausdruck u.a. in der typisch deutschen Taktik des "Klonens" findet: Wenn ein Geschäftsmodell in den USA erfolgreich gelaufen ist, hat es eine größere Chance, in Deutschland Risikokapital einzusammeln. Erfolgreiche Beispiele gerade in Hightech-Bereichen Computer, Internet und Mobile in den USA machen dagegen Hunger auf mehr und fördern aufs Neue die hohe Risikobereitschaft der Amerikaner.

Ein interessantes Beispiel ist der tragbare Musikplayer, der mit dem Sony-Walkman begründet wurde, allerdings erst durch die Entwicklung der MP3-Technologie - und der Erfindung des iPod - massenfähig wurde: diese Technologie wurde in Deutschland von einem Team um den Forscher Karlheinz Brandenburg erfunden - aber in den USA "zu Geld gemacht". Neben dem Forschungsinstitut liegt das passende Unternehmen, das die Technologie im Handumdrehen vermarktet, weiss Conrad Tribble zu berichten. In Deutschland dagegen scheint es dagegen (noch) Hemmungen zu geben, Forschung so unmittelbar mit Wirtschaft zu verknüpfen.

Aber nicht nur deutsche Universitäten und Unternehmen könnten risikofreudiger und offener agieren: Innovation entspringt der Unterschiedlichkeit der Kulturen, der Offenheit gegenüber Neuem: Geht man raus aus dem Land oder lässt Menschen aus anderen Ländern und Kulturen ins Land hinein und empfängt sie offen - dann ist auch in Deutschland der Boden für eine innovationsfreudige  Kultur bereitet.


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